Klein gegen Groß

Eiskunstläuferin Kiara Siehr vom Mannheimer ERC hat bei „Klein gegen Groß“, der großen Familiensendung mit Kai Pflaume, ein

Duell mit Katarina Witt

ausgetragen. Natürlich geht es um Eiskunstlaufen…..

Wer wissen will, wie es ausgegangen ist,

sollte unbedingt den Fernseher einschalten.

Sendetermin ist

 

Samstag, der 16.12.2017 um 20:15

in der ARD oder im ORF 1

Bundesstützpunkt erhält Verstärkung

Der Eissport Bundesstützpunkt Mannheim erhält Verstärkung. Trainerin Anett Pötzsch und Bundeskader-Athletin Lea Johanna Dastisch wechselten vom Landessverband Sachsen nach Mannheim. Damit trainieren in Mannheim nun neun Sportler aus dem Bundeskader der Deutschen Eislauf Union sowie drei Athleten aus dem Landeskader. „Man kann dem Stützpunkt Mannheim nur gratulieren“, erklärte DEU-Vizepräsidentin Elke Treitz und meinte damit sowohl den Gewinn der erfahrenen Trainerin, Preisrichterin und Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 1980, Anett Pötzsch, wie auch die amtierende Deutsche Vizemeisterin Dastisch, die künftig in Mannheim trainieren werden.

Sie, wie auch die bereits am Stützpunkt trainierende, amtierende Deutsche Meisterin Nathalie Weinzierl und Trainer Peter Sczypa finden hier noch bessere Bedingungen vor, betonte Lutz Pauels, Präsident des Eissport-Verbandes Baden-Württemberg: „Nach den positiven Erfahrungen aus dem Vorjahr haben wir das Sommereis in einem gemeinsamen Kraftakt noch ein wenig ausgeweitet.“ Stadt Mannheim, Mannheimer ERC und der EBW beteiligen sich an den Kosten. Dafür bereiten sich die Sportler in Mannheim Eis bereits seit Mitte auf den olympischen Winter vor. „Zehn Monate Eis sind im internationalen Vergleich mittlerweile absolut Pflicht“, so Pauels.

Mit Pötzsch ist das Trainerteam von Stützpunktleiter Stefan Lindemann am Bundesstützpunkt noch breiter aufgestellt. „Der Teamgedanke wird hier im gemeinsamen Blick nach vorne gelebt“, freute sich Elke Treitz über die gewachsenen Strukturen, zu denen auch Choreographin Francesca Cotogni, Ballett-Trainerin Katja Ostrovskaya und Athletiktrainer Dirk Müller gehören.

„Ich hatte immer den Traum von einem starken Verein auf Bundesebene. Hier in Mannheim könnte sich so etwas entwickeln“, freut sich Anett Pötzsch auf ihre neue Arbeit am Bundesstützpunkt. „Als Sportstadt können wir hier nur auf der Gewinnerseite stehen“, so Sportbürgermeister Lothar Quast und meinte damit das Gesamtpaket von neuer Trainerin, Sportlerin und natürlich den geschaffenen Bedingungen. „Diese neue Konstellation ist hervorragend. Ich wünsche Trainerin und Sportlern deshalb mit Blick auf die Winterspiele von Pyeongchang in Südkorea den größtmöglichen Erfolg und eine verletzungsfreie Saison.“ Ein Wunsch, dem sich auch Lutz Pauels und Elke Treitz anschlossen.

von Links: Pötzsch, Treitz, Pauels, Weinzierl, Dastich, Sczypa, Bürgermeister Quast

Fachsparte Eiskunstlauf

In der Mitgliederstatistik steht Eiskunstlauf im Verband an zweiter Stelle. Wie bereits erwähnt, wurde der Kunstlauf in der Zeit von 1972 bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1988 von Eugen Romminger geprägt. Es gab in dieser Zeit Jahre, in denen alle vier Deutschen Meistertitel nach Baden-Württemberg gingen. Wer kennt nicht die Namen Claudia Leistner, Heiko Fischer, das Paar Riegel/Nischwitz und im Eistanz die Geschwister Becherer, um nur einige zu nennen. Nicht vergessen sind auch die Geschwister Buck aus Ravensburg im Eistanz. Die Ehrenliste der Erfolge national und international ist groß, hinzu kommen viele sehr gute Platzierungen und zusätzlich die Erfolge im Nachwuchsbereich.

Allmählich wird wieder an die Erfolge dieser Zeit angeschlossen: 1995 wurden zwei Deutsche Meistertitel (Herren und Formation) errungen und 1996, 1997 und 1999 der Deutsche Meistertitel der Herren durch Andrejs Vlascenko aus Stuttgart. Und zudem, der Nachwuchsbereich läßt auch für die Zukunft hoffen, er ist ein ganz besonderes Anliegen der Fachspartenleiterin Brigitte Föll. Auch jetzt hat Baden-Württemberg wieder auf sich aufmerksam gemacht, so wurde für das Jahr 2000 Susanne Stadlmüller Deutsche Meisterin im Eiskunstlauf der Damen. Diesen Titel hat sie im Jahre 2001 verteidigt. Den Titel für das Jahr 2002 holte Katharina Häcker vom Mannheimer ERC. Auch in den Jahren zwischen 2003 und 2007 holten die Damen aus Baden-Württemberg zahlreiche erste Plätze bei den Nachwuchs- und Seniorentitelkämpfen gleiches gilt auch für die Formationen. Mit Sarah Hecken wächst zur Zeit eines der größten Nachwuchstalente im deutschen Eiskunstlaufen heran.

Bundes- und Landestrainer Peter Scypa im Portrait

Peter Sczypa ist ein Meistermacher und Medaillenschmied. Der aus Polen stammende Eiskunstlauftrainer hat nicht nur die Mannheimerin Sarah Hecken zu Deutschlands Nummer eins gemacht, sondern schon seit 1988 immer wieder bundes- und weltweit erfolgreiche Athletinnen hervorgebracht. Er stand auch an der Bande, als Claudia Leistner 1989 Vizeweltmeisterin wurde. Dabei galt sein Augenmerk zunächst den Paaren, schließlich startete er selbst in dieser Disziplin, war zehn Mal Polnischer Meister, nahm genauso oft an Europa-, fünfmal Weltmeisterschaften und einmal an Olympischen Spielen teil. Also trainierte er auch das neue deutsche Paar Anouschka Gläser/Stefan Pfrengle, als er nach einem Jahr als Bundestrainer in Oberstdorf nach Mannheim wechselte und seither als Landes- und Clubtrainer des MERC nicht nur größte Anerkennung genießt, sondern sich auch sehr wohl fühlt.
 
Die Betreuung am Rande der Eisfläche war nicht unbedingt Sczypas Lebensentwurf. Doch als er nach seinem BWL-Studium in Kattowitz  in einer großen Firma arbeitete, „merkte ich, dass ich einfach nicht stillsitzen konnte.“ Also  studierte er zusätzlich Sport an der Kattowitzer Trainerakademie mit Schwerpunkt Eiskunstlauf. Doch Polen befand sich Ende der 70er Jahre im Umbruch, „in diesen unruhigen Zeiten waren die Bedingungen für Leistungssport nicht optimal.“ Deshalb nahm er nach ein paar Jahren als Clubcoach ein Trainer-Angebot aus Dänemark wahr. „Ich wollte nur kurz dort bleiben, es wurden sieben Jahre.“ Am Rande der WM 1986 in Kopenhagen sprach ihn dann die Deutsche Eislauf-Union an und köderte ihn als Bundestrainer in Oberstdorf. Zunächst sagte er freudig „ja“, doch nach einem Jahr kündigte er wieder. „Die Arbeitssituation war anders, als ich sie mir vorgestellt hatte.“ Doch schon warteten 1988 der Eissportverband Baden-Württemberg, der ihn als Landestrainer unbedingt wollte, und der Mannheimer ERC – wo er sofort mit Top-Athleten arbeitete. Dass er nebenbei sein Diplom durch ein auf vier Jahre gestrecktes weiteres Studium an der Kölner Sporthochschule anerkennen lassen musste, sei nur am Rande vermerkt.

Sportlich ging es seither meistens bergauf, die wenigen Täler waren eher den Umfeldbedingungen geschuldet. So warf der Brand, der 1989 das Eissportzentrum Herzogenried völlig zerstörte, die Aufbauarbeit um Jahre zurück. Doch ab Ende der 90er mischten Talente wie Katharina Häcker, Christiane Berger, Denise Zimmermann, Adrian Schager, Normann Keck die Szene auf und standen bei den nationalen Titelkämpfen in allen Altersklassen auf dem Podest. Erinnerungswert sind die Deutschen Meisterschaften 2010 in Mannheim, mit einem MERC-Trio (Hecken, Shira Willner, Julia Pfrengle) auf dem Podest der Meisterklasse und Luisa Weber als Jugendmeisterin. Oder die Saison 2001/2002, als es bei den „Deutschen“ viermal Gold und einmal Bronze gab. Die Mädels holten alle drei möglichen Titel, die Jungs zwei Medaillen. Zudem wurde Häcker bei den Junioren-Weltmeisterschaften Sechste.

Damit setzte auch Peter Sczypa seine internationale Karriere fort, die 2010 in seiner zweiten Olympiateilnahme gipfelte. 1968, in Grenoble, ging er noch selbst auf das Eis, in Vancouver betreute er die damals 17-jährige Sarah Hecken. Sie steht zusammen mit Nathalie Weinzierl, Luisa Weber  und Julia Pfrengle für die neue erfolgversprechende Generation des MERC.

Seit 26 Jahren ist Sczypa nun Coach und hat sich zusammen mit seinen Sportlern weiter entwickelt. „Ich bin selbstkritisch, frage mich immer, ob das, was ich mache, auch optimal ist; was man besser machen kann; ob ich die richtigen Worte finde. Sobald ich Fehler erkenne, suche ich Maßnahmen, um sie auszumerzen.“ Vieles geschieht in Auseinandersetzung Athleten, eigenen und anderen. „Man kann von allen lernen, auch von den Kollegen. Also beobachte ich immer genau, was die anderen machen, wenn wir bei einem Wettkampf sind. Denn mit den Sportlern wächst auch der Trainer.“

Schon in der Zusammenarbeit mit Katharina Häcker und Christine Berger begann ein Entwicklungsprozess, der mit Sarah Hecken reifte, sowohl die Technik, als auch den sportpsychologischen Umgang betrifft: „Ich habe gelernt, schnell das Kernproblem zu erkennen und die Anforderungen zu ökonomisieren. Daher verzichte ich auf überflüssige Korrekturen und konzentriere mich auf die mit primärer Bedeutung. Außerdem bin ich einerseits ruhiger, andererseits konsequenter geworden, gehe in aller Ruhe weniger Kompromisse ein. Und das bringt viel Erfolg.“ Daher setzt er auch trotz der zur Zeit schwierigen Trainingsbedingungen im EZH (wegen der Sanierung ist nur eine Halle benutzbar) voll auch seine dritten Olympischen Spiele 2014 in Sotschi – natürlich mit einer MERC-Läuferin.

Doch schon im Dezember dürfte es zu einen höchst spannenden internen Duell kommen, wenn bei den Deutschen Meisterschaften in Hamburg mit seinen Schützlingen Sarah Hecken und Nathalie Weinzierl auch die derzeit beiden besten Eiskunstläuferinnen um den einzigen internationalen Startplatz der DEU kämpfen.
Sibylle Dornseiff
 
 
Infobox
Peter Sczypa wurde am 19. April 1948 in Polen (Siemianowice Slaskie) geboren, ist verheiratet, hat eine Tochter und wohnt seit kurzem in Viernheim.
Er war zwischen 1965 und 1975 ein auch international erfolgreicher Paarläufer: 10 x Landesmeister, 10 x bei EM, 5 x bei EM, 1968 bei den Olympischen Spielen in Grenoble.
Er studierte zuerst in Kattowitz BWL, dann Sport mit Schwerpunkt Eiskunstlauf.
1979 wechselte er als Trainer nach Dänemark, 1986 war er ein Jahr Bundestrainer der Deutschen Eislaufunion in Oberstdorf, seit 1988 ist er Landestrainer des Eissportverbandes Baden-Württemberg  und Clubcoach des MERC. Seit 2011 ist Mannheim wieder Bundesstützpunkt und damit Schwerpunktsportart im OSP Rhein-Neckar.
Auswahl seiner Schützlinge: Anouschka Gläser/Stefan Pfrengle, Claudia Leistner, Natalia Sczypa, Patrizia Wittich, Adrian Schager, Katharina Häcker, Christiane Berger, Denise Zimmermann, Norman Keck, Sarah Hecken, Nathalie Weinzierl, Julia Pfrengle, Luisa Weber. sd